Familienblog

Schreiben um des Schreibens Willen

So lautet im Grunde genommen die Devise (fast) aller Blogs, die ich so mehr oder weniger regelmäßig lese. Beim Bloggen geht es darum, Erfahrungen zu verarbeiten, indem man aufschreibt, was einen beschäftigt. Ein bisschen wie ein öffentliches Tagebuch. Dass man diese Erfahrungen mit anderen teilt, die in ähnlichen Situationen stecken oder auch nicht, Rückmeldung und Kommentare bekommt, ist ein netter Nebeneffekt. Aber hauptsächlich geht es den meisten darum, einfach nur aufzuschreiben.

Ich habe das hier (und in diversen anderen „Blogversuchen“) mehrmals probiert und nie lange durchgehalten. Vielleicht bin ich einfach nicht konsequent genug, vielleicht bin ich auch zu häufig mit anderen Dingen beschäftigt, aber wahrscheinlich brennt das Bedürfnis zu Schreiben nicht so sehr in mir wie in anderen Menschen. Ich glaube ich bin eher jemand, der viel übers Reden verarbeitet und weiterkommt. Das geht einfach schneller, die Rückmeldung kommt direkter und ich sitze nicht den ganzen Abend an diesem einen Blogpost und habe dann keine Zeit mehr für etwas anderes. Vielleicht ist es somit auch nur eine Sache der Prioritäten.

Denn Themen zum Niederschreiben gäbe es genug. Das Kind liefert tagtäglich Futter zum Hinterfragen der eigenen Entscheidungen und der gewählten Erziehungsmethoden. Ich finde, meine Frau Anne und ich sind da ein gutes Team, wir diskutieren (meist) sehr konstruktiv, wenn unsere Meinungen auseinander gehen oder wir nicht mehr so richtig weiterwissen. Dazu gehört dann auch, Meinungen von anderen Eltern im Internet zu lesen (zugegeben ist sie meist diejenige, die gute Blogartikel ausgräbt). Was dabei allerdings fehlt, ist der Austausch nach außen. Wir leben ziemlich ländlich und haben leider noch keine anderen Eltern in der Nähe gefunden, mit denen wir das Gefühl hatten, dass wir uns mit ihnen tiefergehend und konstruktiv über manche Themen austauschen könnten. Insbesondere unser „radikaler“ feministischer Ansatz sorgt scheinbar immer wieder für Irritation oder Unverständnis. Ich glaube, es täte uns gut, uns mal etwas mehr mit zumindest grundsätzlich Gleichgesinnten auszutauschen, als nur andere Meinungen zu „konsumieren“.

Hinzu kommt ein Nachbarschaftskonflikt, der mittlerweile ziemlich verfahren ist, im Treppenhaus wird nicht einmal mehr gegrüßt und es ist kein Entgegenkommen oder Einlenken in Sicht (trotz mehrfacher Versuche unsererseits). Auch hier täte es sicher gut, immer mal wieder etwas ins Internet zu schreiben, um sich den Ballast von der Seele zu schreiben und wieder etwas besser schlafen zu können (ich bekomme Einschlafprobleme und Bauchschmerzen, wenn mich etwas zu sehr beschäftigt bzw. aufregt). Vielleicht ist auch der ein oder andere Tipp in den Kommentaren hilfreich bei der Lösung des Konflikts.

Als wir kürzlich beim Autofahren wieder etwas mehr Zeit hatten, solche und andere Themen zu besprechen, kam Anne die Idee, dass man das ja tatsächlich mal probieren könnte, Dinge ins Internet zu schreiben. Nur so zum Selbstzweck, um sie loszuwerden. Da ich dieses Blog und die Domain ja noch habe, bot sich also an, ihr hier einen Account zu geben und schreiben zu lassen, ggf. könnten wir hier auch kollaborativ Texte schreiben.

Und so starten wir nun diesen Versuch, eines gemeinsamen Familienblogs. In diesem Sinne: Willkommen, Anne!